Shanghai
Die Hafenstadt Shanghai ist eine der vier regierungsunmittelbaren Städte Chinas, neben Peking , Chongqing und Tianjin. Sie ist damit direkt der Regierung unterstellt und hat den Status einer Provinz.
Das gesamte Verwaltungsgebiet beherbergt 23 Millionen Einwohner und vor der Küste befindet sich einer der größten Containerhäfen der Welt.
Damit ist Shanghai die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China. Über 7 Millionen der Einwohner haben ihren Wohnsitz aber nicht ständig hier, allen voran die Wanderarbeiter die nur so lange bleiben wie es Arbeit für sie gibt.
Auch ist Shanghai kein zusammenhängendes Stadtgebilde, sondern schließt zahllose Vorstädte mit ein, die sich wegen der ständigen Landgewinnung rund um das Yangtse-Delta ständig ausbreiten. Denn Shanghai liegt genau im Delta des riesigen Flusses, am Zusammenfluss des Huangpu mit dem Yangtse auf einer durchschnittlichen Höhe von nur vier Metern über dem Meeresspiegel.
Der Name Shanghai kommt von der jahrhundertealten Bedeutung Shanghais als Hafenstadt und bedeutet übersetzt “Hinaus aufs Meer”. Manchmal liest man “Über dem Meer”, was aber falsch ist. Romantiker bezeichnen die Stadt auch als “Tor zur Welt”, “Paris des Ostens” oder gar “Perle des Orients”.
Die Fläche des gesamten Stadtgebietes beträgt 6340,5 Quadratkilometer, das ist mehr als doppelt so viel wie das gesamte Saarland. Viel davon liegt im Jiangnan, der Schwemmebene des Yangtse-Flusses. An Süßwasser mangelt es der von Flüssen und Kanälen durchzogenen Stadt also nicht.
Das Klima in Shanghai ist ein subtropisch maritimes Monsunklima, das die gleichen vier Jahreszeiten aufweist wie wir es aus Deutschland gewohnt sind, wenn auch Frühjahr und Herbst vergleichsweise kurz ausfallen und die Temperaturen anders liegen.
Im Winter ist es meist um die 3-5 °C kalt und recht feucht, der Sommer erreicht um die 27 bis 40°C bei schwülwarmem Klima. Jährlich fallen im Durchschnitt 1112 mm Regen, davon die Hälfte von Mai bis September.
Auch wenn Shanghai eine der modernsten Städte weltweit ist, reicht ihre Geschichte doch weit zurück. Spuren erster Besiedelung finden sich von 4000 v. Chr. 960 wurde das Dorf Shanghai erstmals urkundlich erwähnt.
Danach ging es wirtschaftlich bergauf, 1074 kam ein eigenes Steuerbüro, 1264 die Zusammenlegung mit drei weiteren Dörfern zu einer Stadt. Schon damals gab es hier einen wichtigen Handelshafen über die die Baumwollproduktion ausgeführt wurde. Es bildeten sich große und mächtige Handelszünfte die auch politische Macht hatten.
1842 erzwang Großbritannien, nachdem es den Opiumkrieg gewonnen hatte, die Öffnung der Stadt für den Handel mit Europa. Shanghai wählte man wegen seiner strategisch günstigen Lage und des damals schon sehr gut ausgebauten Hafens.
1847 folgten die Franzosen und richteten ebenfalls Handelsstützpunkte ein. Während sich die Engländer am Hunagpu-Fluss niederließen und den berühmten Bund errichteten, wählten die Franzosen den Südwesten der Stadt, wo heute noch das “Französische Viertel” liegt.
1863 folgten die US-Amerikaner, 1895 die Japaner und bauten ebenfalls eigene Handelszentren auf. Sie hatten jeweils eigenen Polizeikräfte und verwalteten ihre Gebiete vollkommen eigenständig.
Bis in die 1920er Jahre wurde Shanghai zur Weltstadt und die Bevölkerungszahl stieg über die Millionengrenze. Shanghai wurde zum Sinnbild für Sünde, Reichtum und Abenteuer aber auch der Kommunismus in China fand hier seinen Anfang. 1921 wurde hier die Kommunistische Partei Chinas gegründet.
Die folgenden Jahre waren geprägt von Aufständen, Revolten und Streiks. Die Chinesen wollten die Herrschaft über ihre Stadt zurück. 1927 eroberte die Nationalarmee unter Chiang Kai-shek die Stadt, 1932 griffen die Japaner die Stadt an weil man japanische Waren boykottiert hatte, während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges fanden weitere Kämpfe um Shanghai statt.
Verbrechen und Drogenkartelle übernahmen die Macht, dennoch wurde sie für 18.000 Juden aus Deutschland die letzte Zuflucht vor den Nationalsozialisten. Zum Ende des zweiten Weltkriegs fiel Shanghai dann endlich wieder in die Hände der Chinesen zurück.
Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 unter Mao Zedong ging es wirtschaftlich dann aber wieder bergab, viele ausländische Unternehmen wanderten nach Hong Kong ab, wenn ihr Kapital nicht vorher konfisziert wurde. Zudem hatten die Kuomintang unter Chiang Kai-shek zuvor die Goldreserven der Bank of China mit nach Taiwan genommen. Shanghai war also praktisch pleite.
In den 1980er Jahren wurde in Shanghai endlich wieder investiert, 1990 wurde die Sonderwirtschaftszone Pudong gegründet, dort wo heute Hunderte von Wolkenkratzern stehen, darunter auch das 492 Meter hohe Shanghai World Financial Center.
Auch besitzt Shanghai die weltweit einzige kommerziell betriebene Magnetschwebebahn, den Transrapid. Für die Einwohner der Stadt ist das Leben dennoch nicht leicht, es fehlt an Wohnraum und auch die Verkehrsinfrastruktur hinkt der Stadtentwicklung hinterher.
Für Touristen gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Shanghai, viele Museen und Theater locken Besucher an. Gigantische Shoppingcenter und Märkte ziehen nicht nur Touristen an. Auch Tempel gibt es tatsächlich noch, wenn auch kaum mehr im originalen Zustand.
Der Konfuziustempel stammt zwar aus dem Jahre 1855, wurde aber erst kürzlich komplett renoviert. Der buddhistische Jing’an Tempel wurde im Jahre 247 erbaut, 1216 an seinen jetzigen Platz verschoben, während der Kulturrevolution als Kunststofffabrik genutzt und 1983 umgebaut und renoviert.
Im Nordwesten Shanghais befindet sich ein weiteres wichtiges Heiligtum, der 1882 erbaute Jadebuddha-Tempel. Etwa 100 Mönche bewohnen den Tempel und bilden Schüler aus.
Der Stadtkern ist zwar auch noch vorhanden, aber dem alten Zentrum nur noch Ansatzweise nachempfunden und für Touristen ausgelegt, sogar einen Starbucks findet man dort. Ebenfalls sehenswert ist der Bund, das ehemalige Finanzzentrum der Briten am Huangpu-Fluss und die gegenüberliegende Skyline von Pudong mit ihren Wolkenkratzern.
