Schriftsteller Liao Yiwu und sein Buch über China
Wenn man in diesen Tagen von China hört, dann geht es fast ausschließlich um den Schriftsteller und Dissidenten Liao Yiwu, der letzte Woche in seinem Exil in Deutschland angekommen ist. Es ist dann von seinem Buch über China „Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ die Rede, in dem er von seiner vierjährigen Gefangenschaft berichtet. Weil China ihn seit seiner Freilassung Mitte der 1990er Jahre verfolgt hatte, entschloss er sich nun für die Flucht nach Europa.
Angefangen hatte alles 1989, als Liao sein Gedicht „Massaker“ veröffentlichte. Darin geht es um die blutige Zerschlagung der Demokratiebewegung in China. Er selbst habe sich nie als politischer Mensch verstanden, er sei einfach ein Poet. Doch diese ungeschönte Sicht auf die Dinge passte der Regierung nicht und so steckte sie den Dichter von 1990 bis 1994 ins Gefängnis.
Die Bedingungen in Haft seien unmenschlich gewesen, berichtete Liao gerade in Tübingen beim ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Flucht aus China. Vielmehr könne er über seinen momentanen Gemütszustand nicht sagen. Dafür würde es nicht die richtigen Worte geben. Daher ließ er seine Gedichte sprechen und erzählte mit ihrer Hilfe von Qual, Folter und seinen Selbstmordversuchen im Gefängnis.
Nach seiner Entlassung begann er, an seinem neuen Buch zu schreiben – insgesamt zehn Jahre lang. Immer wieder versuchte China, eine Veröffentlichung im Ausland zu verhindern. Zweimal beschlagnahmte die Regierung sogar Liaos Manuskript, sodass er insgesamt drei Mal von vorne beginnen musste. Diese Woche soll das Enthüllungsbuch im S.-Fischer-Verlag erscheinen.
