China zieht gegenüber Regimekritikern die Glacé-Handschuhe aus
Während in Shanghai noch die letzten Vorbereitungen für die Auto Shanghai 2011 laufen, geht anderswo der Rummel schon los. Gestern wurde – aus immer noch völlig unklaren Gründen – der international bekannte Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei am Flughafen Peking festgenommen. Von Seiten der chinesischen Führung hört man bislang keinen Ton – das ist allerdings nicht neu. Diese Strategie steht auch schon im zweitausend Jahre alten Kriegskunstbuch von Sun Tzu.
Nachdem in den letzten Wochen die Repressalien gegen Ai Weiwei immer stärker zugenommen hatten – Überwachungskameras vor den Toren des Ateliers und permanente Kontrolle jeder einzelnen Aktivität Weiweis, auch im Internet – setzt China anscheinend nun ein deutliches Zeichen, dass internationale Bekanntheit und Anerkennung keinen Schutz für Aktivisten darstellen. Es drängt sich der Schluss auf, dass die scheinbar willkürliche Verhaftung Ai Weiweis einerseits eine unmissverständliche Machtdemonstration der chinesischen Regierung sein soll – und eine mehr als deutliche Warnung auch an weniger bekannte Aktivisten und Regimekritiker, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen.
Die chinesische Regierung bietet in einem unnachgiebigen Kurs jeglicher Kritik schweigend die Stirn – diese Strategie hat sich schon immer bewährt, auch der (meist immer verhältnismäßig sanft ausfallende) internationale Druck, auch wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht, hat China schon immer reichlich kalt gelassen.
So etwas kann man, wenn es sein muss, auch aussitzen. Und es scheint auch international niemanden zu geben, der es wagt, sich dem “Weg des Ochsen” deutlich in den Weg zu stellen. Man weicht ihm lieber vorsichtig aus. Auch diese Erkenntnis stammt aus Sun Tzu’s schon sehr altem Lehrbuch.
Die Lebensbedingungen für die Mehrheit der Menschen in China sind schlecht, die Inflation ist hoch, Menschenrechte werden mit Füssen getreten – und die Mehrheit der Familien hat gerade einmal das Allernötigste zum Überleben. Im Land kocht und brodelt es, aber die chinesische Regierung hält auch die leiseste Form des Protestes und jede journalistische Neugier im Land mit eiserner Hand nieder, und stampft unbeeindruckt weiter den Weg des Ochsen.
Wäre vielleicht auch einmal Zeit, dass Regierungsverantwortliche im Westen einmal einen kurzen Blick in Sun Tzu’s Kunst des Krieges werfen – es gibt nämlich auch Gegenstrategien.
