Chinas Erziehungston – Zwischen kleinen Kaisern und Elitestudenten
Amy Chua oder wie sie sich selbst nennt „Tigermutter“ sorgt derzeit mit ihrer Autobiographie für Gesprächszündstoff. Kinder mit Essensentzug zu drohen, nur weil im Klavierspiel nicht alles zu hundert Prozent klappt, sind das Erziehungsmethoden, die grenzwertig sind oder aber gerechtfertigt? Doch vielleicht sind es nicht einmal Chuas Erziehungsmethoden, die bei vielen Magenschmerzen verursachen, sondern, dass – wenn eventuell nicht einmal beabsichtigt – es in dem neu veröffentlichten Buch einige Zeilen gibt, die die chinesische Erziehung über die westlicher Kulturen stellt.
Fakt ist, in China herrscht ein anderer Bildungs- und Erziehungston. Bereits mit zwei Jahren lernen Kinder schreiben, Schriften und sogar Fremdsprachen, fahren zur Erziehung schon mal ins Kinderhotel – zumindest die, die sich für ihr Kind leisten können. Denn noch lange nicht funktioniert das kommunistische Gedankengut der Gleichberechtigung in China. Wer zur Mittelklasse gehört – eine kleine Eigentumswohnung vor denen Toren der Stadt, studiert und mindestens ein Auto – der sorgt dafür, dass dem Kind an nichts fehlt, im wahrsten Sinne des Wortes, weil einerseits, da wünschen sich Eltern für ihr Kind, dass es studieren kann und um das zu ermöglichen wird häufig gedrillt und anderseits bleibt nur dieses eine Kind den Eltern.
Das wiederum ist auf die Ein-Kind-Reglung, die in China in den Achtzigern auf den Plan gerufen wurde, um die Einwohnerentwicklung zu dämmen, zurückzuführen. Und so wird das einzige erlaubte Kind – mit einigen Ausnahmen wird ein zweites Kind unter Strafe gestellt – verhätschelt, verwöhnt und zu kleinen Kaisern gemacht. Wenn es dann allerdings um die Bildung geht, dann soll das Kind nicht nur gut, sondern besser sein.
Aber was sagen die Kinder selbst dazu? Chuas Tochter beispielsweise verteidigte ihre Tigermutter in einem öffentlichen Brief in der New York Post, in dem sie schrieb, dass die Strafen nicht als so schlimm wie sie derzeit von den Medien dargestellt werden, empfunden wurden. Einfach nur gut gedrillt oder die freie Meinung eines Kindes?
