Das ewige Warten auf Tickets an chinesischen Bahnhöfen
Mit einem Hochgeschwindigkeitstempo von 350 km/h legen chinesische Züge in gerade einmal 3 Std eine Strecke von mehr als 1.000 Kilomtern zurück. Aber Schnelligkeit wappnet die chinesischen Bahnhöfe nicht vor endlos langen Schlangen und mürrischen Passagieren, die nur eins wollen – ein Ticket.
Doch in Peking ist das einfacher gesagt als getan. Sichtbar wurde das wieder einmal an diesem Wochenende. Da gab es nicht nur Passagiere die in Reih und Glied beharrlich die Nacht vor dem Ticketschalter warteten, sondern das Wetter hatte es vor allem im südlichen Teilen Chinas ebenso wenig gut mit der Eisenbahnlinie gemeint. Dann war es endlich soweit am frühen Morgen – der Ticketschalter öffnete seine Rolladen. Innerhalb von nur dreißig Minuten war sie dann weg – die Tickets.
Und über eins können sich die Bahnmitarbeiter bereits im Klaren sein – nicht nur am 3 Februar, dem Tag des diesjährigen Frühlingfestes wollen alle raus aus Peking, sondern bereits am 27. Januar kommt die nächste Schlange vor dem Ticketschalter. Dann nämlich findet das traditionelle Familientreffen statt, die viele Städter hinaus aus Peking und hinein ins Land führt.
Aber mit der überrollenden Passagierenflut kommen auch die Schwarzhändler, die Tickets unter der Hand anbieten. Und das sind nicht gerade wenig – alleine bei der letzten Razzia, ausgeführt durch das Eisbahn Ministerium und dem Ministerium für Sichehreit, machte man 1.800 Schwarzhändler dingfest. Um das zu verhindern, werden unter anderem mehr als 1.000 Personen zur Ticketüberwachung eingesetzt.
Wesentlich klimpflicher davon gekommen ist ein Wanderarbeiter namens Chen Weiwei, der einen Tag auf dem Jinhua Bahnhof festsaß, um Tickets zu bekommen, die dann aber ausverkauft waren. Wohl leicht zornig über das Ganze fuhr er nicht aus der Haut, sondern aus seiner Kleidung und maschierte lediglich mit Unterhose ins Büro des Leiters des Bahnhofs.
Wie auch immer das Bild entstand, es wurde gemacht und kursierte durch das Internet. Dabei war die ganze Aktion eigentlich nicht zum Lächeln, weil so wie Chen Weiwei ergeht es vielen Passiagieren in China, mit einer kleinen Ausnahme – sie ziehen sich nicht aus. Weiwei entschuldigte sich gleich am nächsten Tag, aber er hatte wohl auch einen sehr guten Grund nach Hause zu wollen. Denn seine Frau lag in den Wehen.
