Weniger deutsche Patente aus Angst vor Nachbauten
Wer hierzulande ein Patent anmeldet, tut das normalerweise um seine Erfindung vor Nachbau zu schützen. Das war bisher zumindest der Sinn eines Patents.
Seit China auf dem Weg ist eine Wirtschaftsmacht zu werden hat sich das allerdings geändert. Chinesische Maschinenbauer sehen deutsche Patentschriften weniger als Schutz sondern als praktische Anleitung zum Nachbau.
In China war es halt immer schon eine Ehre kopiert zu werden. Ganze Generationen von Schülern wurden darauf trainiert, ihre Meister möglichst genau zu imitieren, das galt als höchstes Ziel. Wurde man kopiert, war das ein Zeichen für Anerkennung.
In Zeiten der fortschreitenden Industrialisierung und Automatisierung sieht man das freilich anders. Hier ist es wichtig, möglichst lange das beste und fortschrittlichste Produkt auf dem Markt zu haben. Um unbeabsichtigte Nachbauten zu verhindern, meldete man seine Erfindungen bislang zum Patent an und wähnte sie geschützt.
Deutsche Maschinenbauer melden mittlerweile nur noch sehr wenige Patente an, denn eine Patentschrift ist von einem Fachmann problemlos zu lesen. Also auch von den Chinesen. Die machen von dieser praktischen Möglichkeit regen Gebrauch. Warum sollte man sich eine Maschine kaufen, sie zerlegen und dann nachbauen, wenn man die Bauanleitung auch so haben kann. Die Bedeutung eines Patentes als Schutz wird dabei großzügig ignoriert.
Laut einer Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hatten bereits 80% der Unternehmen aus der Investitionsgüterindustrie mit Produktkopien zu kämpfen. Der dadurch entstehende Schaden wird weltweit auf ca. 660 Milliarden Euro geschätzt.
Die einzige Möglichkeit für deutsche Unternehmen, dieser Art von Produktpiraterie zu entgehen besteht darin, keine Patente mehr anzumelden. Tut man es dennoch, dann nur bei Produkten, deren Nachbau nur mit besonderen technische Voraussetzungen oder Fähigkeiten möglich ist.
Gerhard Zirkel
