Das Verhältnis der Chinesen zum Handy
In Mitteleuropa ist das Verhältnis zum Handy reduzierbar auf eine Typeinteilung der Nutzer. Entweder es handelt sich um Technikfreaks, Designverliebte, Vieltelefonierer oder Prepaid Schnäppchenjäger. Kaum ein deutscher Handynutzer wird den Kaufpreis und somit den echten Wert “seines” Handys kennen, da Handys ab einem Euro verramscht werden und über lange Vertragslaufzeiten und hohe Verbindungsgebühren bezahlt werden.
Ganz anders ist das Verhältnis eines Chinesen zum mobilen Telefon. Da die Geräte im Regelfall separat gekauft werden, handelt es sich um ein Statussymbol par excellance. Jeder kennt den exakten Marktwert eines jeden Handy, welche übrigens im englischen Sprachraum ausschließlich „mobile phone“ und nicht Handy genannt werden.
Eine Neuerscheinung eines neuen Handymodells löst eine interessante Kettenreaktion aus. Zuerst wird über Vorbestellungen sichergestellt, dass statusbedachte Chinesen nach Möglichkeit schon vor dem Verkaufsstart eines der begehrten neuen Exemplare ergattern. Danach wird das Gerät gnadenlos jedem präsentiert und die neuen Funktionen des Handy, die normalerweise für einen Chinesen irrelevant sind, lautstark ausprobiert. Im Freundeskreis des Chinesen kommt nun niemand mehr umhin, sich auch eben dieses Modell, oder besser gleich das noch teurere Nachfolgemodell zu besorgen.
Hat ein Chinese nicht die finanziellen Mittel, möchte aber trotzdem ein besonderes Verhältnis zu seinem Handy aufbauen, verschönert er dieses.
Die Lieblingsfarbe ist die kleinste Änderung, das “echte” Verhältnis wird durch blau, gelb oder rot blinkende Accessoires zementiert. Weibliche Handy-Nutzer schwörenin China zusätzlich auf Anhänger um das Handy zu verschönern. Hier bieten sich offensichtlich kleine blinkende Püppchen besonders an. Ein wenig ähnelt das Verhältnis der Chinesen zum Handy dem der Deutschen zum Auto.
Klaus-Martin Meyer
