Beijing und der liebe Verkehr
In einem Jahr sollen in Peking die Olympischen Spiele beginnen, entsprechend fieberhaft dürften die Vorbereitungen mittlerweile sein. Nicht nur die Stadien und Unterkünfte für die Teilnehmer müssen gebaut werden, auch die Infrastruktur muss schließlich vorhanden sein.
Und damit sind wir auch schon beim Thema. Der Verkehr in Peking ist kurz vor dem Infarkt, die Stadt versinkt im Stau. Laut offiziellen Zahlen kommen alleine in Peking jeden Tag fast tausend neue Autos hinzu, das sind immerhin 30.000 im Monat, 365.000 im Jahr – erschreckend jedenfalls.
Abhilfe würden die im Bau befindlichen U- und S-Bahnen schaffen, aber die bauen sich halt nicht von selbst, das dauert halt seine Zeit. Zudem ist es auch dem Chinesen mittlerweile lieber hinter dem eigenen Lenkrad stundenlang im Stau zu stehen als eine halbe Stunde mit der Bahn zu fahren. So unähnlich sind uns die Chinesen also doch nicht.
Um wenigstens das Schlimmste zu verhindern, haben die Pekinger Behörden tagsüber den LKW die Einfahrt in die Millionenmetropole verboten. Mit dem Erfolg, dass der Verkehr jetzt schon weit vor der Stadt zum Erliegen kommt.
Die Laster die die Einwohner der Stadt mit den Dingen des täglichen Bedarfs beliefern können ein Lied davon singen. Viele der dringend benötigen Güter kommen aus den Industriegebieten im Norden Chinas. Der Weg von dort ans Ziel führt über den Pass an der großen Mauer, jenem legendären Ausflugsziel für einen jeden Chinatouristen. Nicht selten benötigen sie für 150 Kilometer Anfahrt über die Berge 24 Stunden und länger.
Die wenigen Passstraßen die für LKW überhaupt geeignet sind, sind hoffnungslos überlastet. Das Problem besteht schon seit Jahren, es ändert sich allerdings nicht viel. Innerhalb Beijings gibt es Straßen, die sich genau so auch hier befinden könnten. Hell erleuchtet und hochmodern. Nur außerhalb der Stadt hat die moderne Welt schnell ein bitteres Ende.
Gerhard Zirkel
