Inlandsflüge in China – ein Erlebnis
Wer kennt sie nicht, diese unsäglich langweiligen Flüge München-Hamburg oder wohin auch immer um 7.00 Uhr Morgens. Stumme Gestalten warten am Gate, steigen mit teils finsterer teils müder Miene ein, finden wortlos ihren Platz, nehmen die Zeitung und warten gelangweilt ab bis der Flieger gestartet und wieder gelandet ist.
In China sieht so etwas ganz anders aus. Erst einmal gibt es dort natürlich viel mehr Leute die noch nie geflogen sind. So ein Flug kostet doch eine Stange Geld, die meisten Chinesen werden sich das die nächsten 20-30 Jahre nicht leisten können.
Leute die das erste Mal fliegen sind ja immer etwas neugieriger als die alten Hasen. So natürlich auch in China. Und Neulinge kennen sich im Flieger nicht aus, was man auch gleich beim Einsteigen merkt.
Da gibt es die Leute, die erst laut schnatternd und aufgeregt durch den ganzen Flieger nach hinten laufen, nur um dann zu erfahren dass sie ganz vorne sitzen. Oder die Leute, die gar nicht wissen dass es nummerierte Plätze gibt. Das alles in einer für Europäer wahnsinnigen Lautstärke und zumeist mit mehrere Plastiktüten in der Hand, denn ordentliches Handgepäck scheint in China verpönt zu sein.
Wenn dann endlich alle ihre Plätze gefunden haben, geht der Spaß erst richtig los. Die Flugbegleiter müssen dann nämlich jeden davon überzeugen, dass er sich anschnallen und das Handy ausmachen soll. Ist das geschafft, kann der Flug endlich losgehen.
Kaum ist die Maschine oben fängt man an, sich völlig ungeniert über 20 Sitzreihen hinweg zu unterhalten, oder wahlweise aus dem Fenster hinaus oder den lustigen Touristen ins Gesicht zu knipsen oder zu filmen.
Mit viel Mühe schafft es das Bordpersonal kurz vor der Landung dann wieder alle anzuschnallen. Kaum hat die Maschine den Boden berührt ist es allerdings schon wieder vorbei mit der Disziplin.
Wie auf Kommando versuchen alle Insassen gleichzeitig das Handy anzuschalten, sich abzuschnallen und das Handgepäck aus dem Gepäckfach zu holen. Die Leute dort schaffen es tatsächlich zu fünft nebeneinander im Mittelgang zu stehen.
Für einen langweiligen Deutschen ist dieses Chaos auf chinesischen Flügen eine Mischung aus Belustigung und nackter Angst. Aber man gewöhnt sich dran.
Gerhard Zirkel
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